Der Datenschutz und der Missbrauch
In der Online-Ausgabe der NZZ vom 2. August 2007, wehrt sich der eidgenössische Datenschutzbeauftragte gegen die Vorwürfe, dass der Datenschutz die Täter schütze. Denn es wird behauptet, dass wegen des aktuellen Datenschutzgesetzes die Polizei nicht handeln könne.
Die Missbrauchsdebatten rund um die Bezüge von Sozialhilfe werfen seit vielen Monaten, eigentlich über Jahre hinweg, manchmal dünner gesät, manchmal häufiger von den Medien publiziert, hohe Wogen auf. Nun gesellt sich neuerdings ein Fall von einem Drogendealer dazu, der Sozialhilfe bezog. Und da sollen der Polizei für Ermittlungen, die Hände gebunden gewesen sein?????
Der Datenschutzbeaufragte, Herr Thür, sagt klar und deutlich aus, dass dies Strafverfahrensangelegenheit sei und bei Verdacht von missbräuchlichem Bezug von Sozialhilfe könne die Polizei sehr wohl handeln, hat sogar die Pflicht dies abzuklären und für diesen Zweck mit den Sozialdiensten in Kontakt zu treten. Es wäre eine Scheindebatte, die hier geführt werde, denn nochmals deutlich ausgeführt: bei Strafverfahren würde der Datenschutz aufgehoben werden.
Hier beginnt eigentlich auch das Problem an sich, wann ist ein Verdacht begründet? Sicher bei diesem speziellen Fall ist es eindeutig, aber oftmals ist dies nicht der Fall. Beginnt jetzt die Phase der prophylaktischen Untersuchungen und der Auflockerung des Datenschutzes? Eigenartigerweise lässt man nicht locker, wenn es um die Erwerbslosen und die SozialhilfebezügerInnen geht. Man kann nicht all Diejenigen, die weder dealen, noch BMW fahren oder sonst was Abartiges oder Kriminelles tun, aber Sozialhilfe beziehen müssen, in den gleichen Topf hineinwerfen. Aber die sog. schwarzen Schafe sind nun mal - das war schon immer so -, auf allen Ebenen, Etagen und in allen gesamt-gesellschaftlichen Zusammenhängen vorhanden und zu finden. Die Fälle der Steuerhinterziehung und der Korruption im grossen Stil sind ausserordentlich zahlreich. Auch in der Schweiz.
Wer beginnt nun endlich die Armut und nicht die Armen zu bekämpfen? Wer macht sich Gedanken, warum die Gesellschaft, die von der Wirtschaft dominiert wird sich dahingehend entwickelt hat, dass sie immer mehr Überflüssige produziert werden, die man nicht mehr im regulären Arbeitsmarkt benötigt. Nebenbei goutiert man Steuerbefreiung für die Unternehmer, Steuererleichterung für die Reichen und macht sich immer weniger Gedanken darüber, wie der Staatshaushalt bei solchen Geschenken noch funktionieren soll. Sicher irgendjemand muss gefunden werden, dem man Schuld zuschieben kann, so lenkt man von den eigentlichen Problemen ab und weist auf entsprechende einzelne Geschehnisse mit schreiender Publicity hin.